Wo der Fluss das Meer küsst

Wo der Fluss das Meer küsst

Emsig schrubben die jungen Männer das große Gebäude, das von außen so unscheinbar aussieht und innen fast völlig ausgekachelt ist. Erst der zweite Blick fällt auf das große Schild auf dem Dach und bleibt an dem Wort Docapesca hängen. Das ist portugiesisch und heißt übersetzt Fischmarkt. Wir sind in Cascais, etwa dreißig Kilometer südwestlich von Lissabon. Das pittoreske alte Küstendorf liegt direkt am Wasser, von dem man nicht weiß, ob es noch der Fluss Tejo ist oder schon der Atlantik.

 


Trotz moderner Einflüsse blieb Cascais ein Küstenort mit Charme

Cascais hat sich seinen Charme trotz aller modernen Einflüsse bis in die heutige Zeit erhalten. Seit der ersten Besiedlung dieses Küstenstriches etwa 5000 Jahre vor Christus wechselten sich Römer, Araber, Portugiesen, Spanier und Franzosen mit friedvollen, aber auch kriegerischen Besuchen ab. Als der portugiesische König Luis I. im Jahre 1870 Cascais dann zu seiner Sommerresidenz auserkor, war das die Geburtsstunde eines eleganten und mondänen Badeorts. Schnell entdeckte die bessere Gesellschaft Lissabons das angenehme Klima für sich. Herrschaftliche Häuser und wunderschöne Villen veränderten das Gesicht des einstigen Fischerdorfs. In den dreißiger Jahren wurde Cascais zum Touristenort mit großen Hotels, einem Yachthafen, vielen Boutiquen, Tennisplätzen und demunvermeidlichen Casino. Für Staatsoberhäupter Europas waren Cascais und das benachbarte Estoril während des Zweiten Weltkrieges eine sichere Zufluchtsstätte. Amerikanische, englische und deutsche Agenten trafen sich hier, denn Portugal galt als neutral.

Bedächtig schauen die Fischer aufs Meer
 
Während sich im Sommer häufig die Blechlawinen entlang der Küstenstraße bis hierhin schieben, scheint sich jetzt in der Vorsaison in der kleinen Bucht die Zahl der Fischer mit der der Touristen die Waage zu halten. Die Zeit steht still, wenn die Männer bedächtig die Netze ordnen, den einen oder anderen kleinen Schaden am Boot ausbessern oder einfach nur auf das tiefblaue Meer schauen. Den ersten Gästen am feinen Sandstrand hat die Sonne schon eine zarte Röte ins Gesicht gezaubert. Jetzt begleiten ihre Strahlen die letzten farbenfroh bemalten  Fischerboote nach Hause.

Bei der Fischauktion erzielen die Doraden die besten Preise

In der Halle des Fischmarktes ist der Tagesfang schnell in Plastikwannen gepackt und die Auktion kann beginnen.  Heute ist es nur eine Handvoll von Händlern und Restaurantbesitzern, die sich Teile des Fangs sichern wollen. Sie thronen hoch über dem Fließband, auf dem sich Tintenfisch, Doraden und Muränen in Kisten den Zuschauern präsentieren. Lula heißen hier in Portugal die Kalamares. Die besten Preise erzielen heute aber die Doraden. Geboten wird über Fernbedienungen, die Zuschläge zeigt ein großes digitales Display an. Es dauert nicht lange, dann ist alles versteigert, Käufer und Zuschauer strömen zurück in die Gassen der Altstadt oder in eine der zahlreichen kleinen Kneipen und Cafés.

Galão und Pastéis de Nata sind ein Muss für jeden Portugalbesucher

Wir gönnen uns einen Galão, den portugiesischen Milchkaffee. Dazu gibt es die sündig leckeren Pastéis de Nata.Pastéis de Nata Ursprünglich stammen diese kleinen gefüllten Blätterteigtörtchen aus einer Bäckerei in Belém, einem Vorort von Lissabon, nach dem sie “Pastéis de Belém” genannt wurden. Die Bäckerei ist eine Kultstätte nicht nur für Kuchenliebhaber, sondern ein Muss für jeden Lissabonbesucher. Zurück bummeln wir zu der alten Zitadelle von Cascais, die in exponierter Lage hoch über der Bucht und dem Yachthafen thront. Die Küstenfestung wurde 1488 aus Schutz vor Piraten erbaut  und diente im 19. und frühen 20. Jahrhundert diversen Königsfamilien und  Staatpräsidenten als Sommerdomizil. Hier gab es 1878 das erste elektrische Licht in Portugal überhaupt. Heute ist die Zitadelle Teil eines Hotels. Die ehemaligen Wohngebäude des Monuments wurden modernisiert und um so zeitgemäße Annehmlichkeiten wie Pool und Health-Club ergänzt. Ein Stück weiter, da, wo sich jetzt langsam der Tag dem Ende zuneigt und das Meer sich mit dem Himmel vereinigt, wacht der blauweiß gestreifte Leuchtturm von Cascais. Der erste Ort, den die Seefahrer erblickten, wenn sie von ihren langen Reisen zurückkehrten und der letzte Abschiedsgruß, wenn sie aufbrachen zur Suche nach Schätzen in Übersee.  

Der Ort-Tipp: Wie die leckeren “Pastéis de Belém” hergestellt werden, kann man hier im Internet ansehen (www.pasteisdebelem.pt),  aber probieren kann man sie am besten vor Ort: Rua de Belém 84 – 92 • 1300-085 Lissabon

Unterkunft:  Hotel "Pestana Pousada de Cascais"
Das Hotel „Pestana Pousada de Cascais“ in der ehemaligen Zitadelle liegt ganz in der Nähe des Yachthafens, von dort sind es nur wenige Minuten bis zur Innenstadt von Cascais und zu dem Fischmarkt. Kleiner Tipp: Täglich von 9-12 Uhr und von 14-20 Uhr wird der Fang versteigert, ab 17 Uhr an alle verkauft.

Allgemeine Informationen:
Portugiesisches Touristikbüro
Kaiserhofstraße 10 • 60313 Frankfurt
info@visitportugal.comwww.visitportugal.com

Der Beitrag gefällt Ihnen? Teilen Sie ihn doch mit Ihrem Netzwerk.



Nachfolgend noch eine Werbeanzeige. Wenn etwas interessantes dabei ist, unterstützt ein Klick natürlich, wie bei derartigen Anzeigen üblich, den Blog.

 

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.