Unterirdische Kathedrale in Frankreichs tiefem Süden

Unterirdische Kathedrale in Frankreichs tiefem Süden

„Alles, was jetzt kommt, gehört mir“. Mit einem warmen Lächeln begrüßt uns Corinne. Die junge Frau mit den langen braunen Locken steht vor einer einfachen Stahltür, die sich jetzt langsam auftut. Ein modrig-kühler Geruch begleitet uns auf dem engen und düsteren Gang. Er führt in die Grotte von Darglian, eine der größten und tiefsten Höhlen im südlichen Frankreich. Nachdem sie ein Schafhirte Ende des 19. Jahrhunderts durch Zufall entdeckt hatte, nahm von hier aus die Speläologie ihren Lauf.

 

In der Höhle befällt uns sakrale Ehrfurcht wie in einer Kirche

„Die Lehre von der Höhlenforschung, hier fing alles an“, erklärt uns Corinne. Sie hat die Grotte von ihrem Großvater geerbt und mit ihr die Leidenschaft für dieses außergewöhnliche Naturwunder gleich mit. Tag für Tag begleitet die Höhlen-Eignerin Besucher über den mehr als einen Kilometer langen Rundgang, in den ihr Großvater schon Anfang des letzten Jahrhunderts Strom legen ließ. Er  führt vorbei an eindrucksvollen Stalagmiten, die  – wo immer das möglich ist – wirkungsvoll per Licht in Szene gesetzt werden. „500.000 Jahre haben sie gebraucht, um so groß zu werden“ flüstert Corinne. Manchmal treffen sie sich mit den Stalaktiten, die ihnen von der Decke der Höhle entgegen wachsen. Besonders stolz ist Corinne auf einen riesigen erstarrten Wasserfall, dessen versteinerte Kaskaden über hundert Meter in die Tiefe stürzen. Als wir nach mehr als einer Stunde wieder ans Tageslicht gelangen, erfüllt uns so etwas wie sakrale Ehrfurcht, wie beim Besuch einer Kathedrale.

Die Cevennen sind eine der dünnsten besiedelten Gegenden Frankreichs

Draußen empfängt uns leichter Nieselregen. Nur schemenhaft können wir beim Blick nach unten im Tal das Flüsschen Jonte erkennen, das sich hier in der Lozère seinen Weg zwischen den beiden Hochebenen Causse Noir und Causse Méjean gegraben hat. Auf fast tausend Meter Höhe kann es hier oben auch im Frühling, wenn sich weiter im Süden von Frankreich die Strände langsam füllen, schon mal ungemütlich werden. Über eine unwegsame Straße geht es weiter zu unserem nächsten Ziel, an dem uns Wildpferde und Geier erwarten sollen. So weit das Auge reicht, erstreckt sich die Steppenlandschaft des Nationalparks der Cevennen links und rechts von uns. Der Boden ist karg, nur von dem kurzen gelbgrünen Gras gibt es reichlich. Genauso wie Schafe. Ab und zu zeugen kleine Steinhäuser mit den typischen Schieferdächern von menschlicher Besiedlung. Auf einen Quadratkilometer Land kommt hier gerade mal ein Bewohner. Wir sind in einer der am dünnsten besiedelten Gegenden Frankreichs.

Przewalski-Pferde und Geier vermehren sich hier prächtig

Plötzlich entdecken wir auf einer großen Weide eine Gruppe von Pferden. Die hellbraunen, leicht gedrungenen Tiere heben nicht mal die Köpfe, als wir langsam näher kommen. Noch sind sich die Gelehrten nicht ganz einig, ob die Przewalski-Pferde nun die direkten Vorfahren unserer Hauspferde sind oder nicht. Jedenfalls gab es in den späten fünfziger Jahren auf der ganzen Welt nur noch zwölf Exemplare des Wildpferdes mit dem dicken Hals, dem großen Kopf und dem Aalstrich, das nach seinem russischen Entdecker genannt wurde und ursprünglich in der Mongolei lebte. Weil die Hochebenen hier am Rande der Cevennen ähnliche Lebensbedingungen aufweisen, wurden einige wenige Exemplare aus Tierparks hierhin umgesiedelt und siehe da, sie entwickelten sich prächtig. Schon mehr als zwanzig von ihnen konnten wieder in die Mongolei ausgesiedelt werden. Hoch über der Herde kreist jetzt eine ganze Gruppe von Geiern, als wollten sie darauf aufmerksam machen, dass auch ihre Vermehrung in diesem Nationalpark äußerst erfolgreich war.

Der Felswände hinunter zum Tarn wirken wie eine Miniaturausgabe des Grand Canyon  

Der Wind hat etwas nachgelassen, der Regen auch, als wir die Hochebene verlassen. In nicht enden wollenden Serpentinen schraubt sich die Straße hinunter zum nächsten Fluss. Der Fluss Tarn hat sich hier ein tiefes Bett gegraben. Die 500 Meter hohen schroffen Felswände wirken wie eine Miniaturausgabe des Grand Canyon in den USA. Unten angekommen, verwöhnt uns die Sonne jetzt vom frei geräumten blauen Himmel. Die mit ihr spürbare Wärme weckt Unternehmungslust. Als habe er nur darauf gewartet, lädt uns Olivier in seinen großen Kahn, der in dem kleinen Örtchen La Malène im friedlich dahin gleitenden Tarn dümpelt. Seit Jahrhunderten sind Kähne das Haupttransportmittel in dem Canyon. Ob zum Einkaufen oder zum Nachmittagsplausch mit der Freundin im nächsten Örtchen: schneller als über den Landweg ist man den Fluss entlang allemal. Natürlich dienen die Kähne auch zum Fischen. Im Tarn tummeln sich dutzende Forellen, die im kristallklaren Wasser schnell davon huschen. Ja, und seitdem der Tourismus in dieser Region Einzug gehalten hat, hat Olivier – der begeisterter Kanufahrer war – sein Hobby zum Beruf gemacht. Während der einstündigen Fahrt erzählt er uns vieles von dem, was er inzwischen über die Menschen, die Tiere und die Natur an den Ufern des Tarn erfahren hat. Der Fluss applaudiert mit sanftem Plätschern, auch als Olivier davon erzählt, wie es ist, wenn das Wasser hier tost.

Ort-Tipps:
Ob zu Fuß, zu Pferd, zu Esel oder mit dem Mountainbike; die außergewöhnliche Natur der Lozère bietet Tausende von Rückzugsmöglichkeiten – auch mal ohne Handy (oft fehlt ganz einfach das Netz).

Die Grotte der Familie Passet
contact@dargilan.com • www.grotte-dargilan.com

Hier geht es zur Kahnfahrt auf dem Tarn:
Olivier Jassaud
Les bateliers des Gorges du Tarn • 48 210 La Malène
Tel.: + 33 4 66 48 51 10
lesbateliers@gorgesdutarn.com • www.gorgesdutarn.com

Allgemeine Informationen:  
Atout France – Französische Zentrale für Tourismus
Zeppelinallee 37 • 60325 Frankfurt/Main – Deutschland
info.de@rendezvousenfrance.comwww.rendezvousenfrance.com

Anreise: mit dem Flugzeug über Paris nach Montpellier, von da sind es noch etwa zwei Stunden nach Mende, der Hauptstadt des Départment, dann ist allerdings ein Mietwagen erforderlich!  Mit dem eigenen Auto sind es ab Clermont-Ferrand noch etwa zwei Stunden Fahrzeit.

Der Beitrag gefällt Ihnen? Teilen Sie ihn doch mit Ihrem Netzwerk.



Nachfolgend noch eine Werbeanzeige. Wenn etwas interessantes dabei ist, unterstützt ein Klick natürlich, wie bei derartigen Anzeigen üblich, den Blog.

 

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.

Bitte lösen Sie zur Sicherheit folgende Gleichung (Captcha): *