Im Labyrinth der Düfte

Im Labyrinth der Düfte

„Entrez, entrez! Hier bitte, treten Sie ein!“ Geschmeidig geschäftig klingt die Stimme des jungen Marokkaners an mein Ohr. Er ist sich nicht ganz sicher, in welcher Sprache er die gerade Vorbeigehenden erwischt. Doch bei mir liegt er fast richtig und so folge ich ihm nach rechts in einen engen Seitengang der Medina von Fès.
Mit einer Fläche von gut 2,8 Quadratkilometern, was in etwa der Größe von 400 Fußballfeldern entspricht, ist die Altstadt von Fès aus dem 9. Jahrhundert die größte Medina der arabischen Welt. Um die etwa 6.000 namenlosen, oft steilen  Gassen schmiegt sich eine zwölf Kilometer lange und komplett erhaltene Stadtmauer. Durch jedes der 15 Stadttore gelangt man in eine faszinierende irritierende Welt, die einen um Jahrhunderte zurückversetzt. Emsiges Gewusel von  Mensch und Esel herrscht überall vor den oft winzigen Läden, Märkten und Werkstätten.


Der Duft frischer Minze hilft beim Besuch der Gerberviertels

Beim mühsamen Weg nach oben über die ausgetretene  Steintreppe irritiert mich zunächst der vom Guide gereichte Zweig intensiv duftender Minze. Die Geste, sie dicht vor die Nase zu halten, erklärt sich mit jedem Schritt: die Intensität des Geruchs geht von streng in Richtung bestialisch. Oben auf dem Dachbalkon klärt sich alles auf im freundlichen Sonnenlicht. Im Gerberviertel unten herrscht geschäftiges Treiben. Tausende von Schafs-, Ziegen-, Rinder-  und wenigen Kamelhäuten werden hier wie vor 700 Jahren bearbeitet. Tamariskenblüten dienen als Gerbstoff, Taubenmist als Beize. Wie kleine Schälchen eines Wassermalfarbkastens sehen die runden Steinbottiche von oben aus. Granatapfelschalen sorgen für ein frisches Gelb, Klatschmohn für ein kräftiges Rot und Indigo für blau. Jede Woche ist eine andere  Farbe dran. Welche, das verrät allen der Fluss Qued, der die Altstadt von Fès der Länge nach teilt und die Reste der Farbbouillon wegspült. Zurück geht es durch die Auslagen der „Lederfabrik“. Die Farbenvielfalt findet sich hier wieder, Unmengen von Jacken, Hosen, Schuhen, Gürteln, Hüten, Portemonnaies, Schläppchen,  Taschen und Sitzkissen warten auf einen, der sie aus dem Verkaufsraum endlich mitnimmt.   

Hoch bepackte Esel drängen sich durch die engen Gassen der Medina

An der engsten Stelle ist die Gasse gerade mal einen Meter breit und in drei Metern Höhe durch einen Hausüberbau begrenzt. Ausgerechnet hier zwängt sich eine kleine  Karawane von waghalsig bepackten  Eseln auch noch durch. „Balek, Balek“, ruft der Karawanenführer hinter ihnen. Die geforderte Vorsicht besteht darin, sich eng in den nächsten Hauseingang zu drücken und den Weg frei zu machen. Ein Stückchen weiter weist rhythmisches Hämmern den Weg zu den Kesselmachern, die auf offenem Platz unermüdlich Kochuntensilien aller Art fertigen. Wer sie füllen möchte, der sollte sich von seiner Nase führen lassen. Ob Schafsfleisch, Ziegenköpfe oder noch flatternde Hähne  – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Flaue Gefühle in der Magengegend lassen sich nach einem Gang durch eine der Parfümerien mit Düften von Amber oder Moschus oder nach einem Besuch eines Gewürzhändlers und seinem Angebot an wohlduftenden frischen Kräutern schnell wieder beruhigen.

Weit reicht der Blick über die Altstadt bis hin zum Atlas

Der wohl schönste Blick über die Medina bietet sich von einem Gebetsplatz in der Nähe des alten Forts Borj Sud.
Ein stürmischer Wind faucht durch die Gemäuer der offenen Moschee, in der sich die Gläubigen unter offenem Himmel versammeln. Heute ist es menschenleer. Weit reicht der Blick bis hin zu den noch schneebedeckten Bergen des hohen Atlas. Die Hügel um Fès sind übersät von weißen alten und neuen Gräbern, in der Medina ist kein Platz mehr. Von hier oben lässt sich nicht mal erahnen, welches Treiben unter dem ruhigen Meer von Dächern herrscht.

Der-Ort-Tipp:
Preiswert und gut essen kann man bei Thami’s. Das kleine Restaurant liegt am Bou Jeliud Tor, einem der Stadttore und ist ideal, um die Medina und das Menschentreiben auf sich wirken zu lassen.
Thami’s
Bou Jeloud, 50 Serrajine • The Medina, Fès

Unterkunft:
Idealer Ausgangspunkt für die Erkundung der Medina ist einer der zahlreichen Riads. La Perle de la MédinaDas sind Stadthäuser, die mit ihren reizenden Innenhöfen, einem Brunnen und einem Dachgarten eine traumhafte Zuflucht vor dem Trubel drum herum bieten.
Sehr gut gefallen hat mir das „La Perle de la Médina“.
Riad La Perle de la Médina
16, Derb Bennis – Douh • Batha, Fès 30200
perledelamedina@menara.mawww.riadperlemedina.com/indexan.php

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