Haus am See

Haus am See

Bootsführer Jack legt das Mikrofon zur Seite und senkt die Stimme. Das Geplapper der knapp zwanzig Touristen an Bord des Ausflugsbootes verstummt nach und nach. Nahezu lautlos gleiten wir jetzt durch das leise glucksende Wasser. „Die Leute, die hier wohnen, schätzen es nicht so sehr, wenn sie in ihrer Ruhe gestört werden“, flüstert Jack und zwinkert uns aus seinen Augen zu, die so grün sind wie der See, der an dieser Stelle in einen schmalen Kanal übergeht. Wir verstehen. Trotzdem scheinen die ganz offensichtlich wohl betuchten Bewohner der weitläufigen Ufergrundstücke links und rechts zu dulden, dass ihre Häuser wichtige Kulissen in einem der ältesten Touristenparks Floridas sind.

 

In den Zwanzigern flüchteten die ersten Reichen in das milde Florida

Der Ort Winter Park liegt 20 Meilen östlich von Orlando. Die wohlhabende Wohnstadt hat etwas über 24.000 Einwohner und liegt inmitten einiger Seen, die den Charme der Stadt ausmachen. Hierhin, an den Lake Osceola und in das milde Klima Floridas, zog es in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts reiche Industrielle aus dem Norden der USA, um den kalten Wintermonaten dort zu entfliehen. Snowbirds werden diese Zugvögel in Florida genannt.Scenic Boat Tours Ihre Ferienhäuser, durchweg respektable Villen, sieht man am besten auf der Winter Park Scenic Boat Tour. Die Ausflugsboote starten von einem Holzpier, nur wenige Blocks vom Zentrum von Winter Park entfernt, und fahren durch die drei Seen Osceola, Viginia und Maitland.

Spanisches Moos hängt meterlang von den Bäumen ins Wasser   

Während meine Augen noch dem weißen Prachtbau mit seinen mächtigen Säulen inmitten des gepflegten Parks nachhängen, streift meine Schulter plötzlich ein spinnwebenartiges bräunliches Gebilde. Meinen Aufschrei quittiert Jack mit unduldsamen Blick, doch dann muss er lachen. „Das ist  nur Spanisches Moos“, beruhigt er mich. Dass diese merkwürdigen langen Gewächse, die büschelig von den Bäumen bis ins Wasser hängen, mit Moos eigentlich gar nichts zu tun haben, sondern eher mit der Ananas verwandt sind, erzählt er weiter. Die Anmerkung, dass sich darunter gerne Alligatoren verstecken, klingt wiederum weniger beruhigend, ist aber wohl nicht ganz ernst gemeint. Wir sehen jedenfalls keine. Dafür starren uns viele Fischreiher hinterher, deren Beute wir mit unserem Boot offensichtlich vertrieben haben.

Die meisten Villen am Uferrand sind Millionen wert  

In einigen offenen Schuppen oder besser Garagen für die Motorboote herrscht rege Betriebsamkeit. An diesem sonnigen Tag, von denen Florida Jahr für Jahr ein Überangebot hat, werden die Boote gewienert.  „Viele der Anwesen wurden in den 1920er Jahren erbaut und ursprünglich für 20.000 Dollar verkauft. Heute sind sie nicht unter einer halben Million zu haben, nach oben bleibt der Wert offen, weiß Jack und plaudert permanent weiter. Das ist Teil der Tour und so erfahren die Gäste an Bord, dass  ein durchaus repräsentatives Haus Tom Hanks während der Dreharbeiten zum Film „Apollo 13“ als Quartier diente. Auch der ehemalige Eigentümer der großen amerikanischen Drogeriekette Walgreens weiß unübersehbar durchaus zu leben, genauso wie die Damen und Herren Studenten, die sich am Bootshaus des privaten Rollin Colleges in der Sonne aalen. Dieses College ist die älteste anerkannte Hochschule im Bundesstaat Florida mit gerade mal 1.700 Studenten, untergebracht auf einem wunderschönen 70 Hektar großen Campus in Winter Park. Seezugang und Bootshaus natürlich inklusive.

Winter Park ist weiterhin eine Bühne für unaufdringlich präsentierten Reichtum

Nach gut einer Stunde Fahrt hat Jack hinter dem Steuer des Bootes wieder richtig Fahrt aufgenommen, die Gischt spritzt, als wir im weiten Bogen am Nordufer des Sees wieder zum Ausgangspunkt der Tour zurückkehren. Am späteren Nachmittag schlendern wir über die backsteingepflasterten Straßen zurück zur Park Avenue. Die Flaniermeile in Winter Park macht ihrem Namen alle Ehre. Elegante Boutiquen wechseln sich ab mit kleinen Schmuckgeschäften; Eisdielen und  Schokoladengeschäfte werben und locken mit den Düften selbst gemachter Produkte. Der Anzahl der gehobenen Restaurants europäischer Küche entspricht in etwa der Anzahl der einfach so am Seitenstreifen geparkten 911er Porsches, Corvettes und Mercedes SLS. Der eine oder andere Oldtimer gesellt sich auch dazu. Winter Park ist eine Bühne für unaufdringlich zu Land und am Wasser präsentierten Reichtum geblieben.

Der Ort-Tipp:
Scenic Boat Tours bietet täglich von 10 bis 16 Uhr Touren über die Seen bei WinterScenic Boat Tours Park an. Erwachsene zahlen 12 Dollar, Kinder von 6 Dollar. Es  kann nur mit Bargeld gezahlt werden. Ein Sonnenschutz ist angebracht.
Scenic Boat Tours
312 East Morse Blvd. • Winter Park, FL 32789
www.scenicboattours.com

Essen gehen:
Lecker essen waren wir im „The Ravenous Pig“, was soviel heißt wie „das gefräßige Schwein“. Man sollte sich nicht vom Namen irritieren lassen, hier gibt es leckere Steaks, Kotelettes und Shrimps, allerdings zu ambitionierten Preisen.  
The Ravenous Pig
1234 N. Orange Avenue • Winter Park, FL 32789
info@theravenouspig.comwww.theravenouspig.com

Weitere Informationen:
Visit Orlando – Visitor Center
8723 International Drive, Suite 101 • Orlando, FL 32819
info@visitorlando.com • www.visitorlando.com/de

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