Bei Bergdämonen und Sonnenforschern

Bei Bergdämonen und Sonnenforschern

Schier endlos schrauben sich die Serpentinen vor uns in die Höhe. Ein Blick zurück streift die Ostküste von Teneriffa, die hier schroff und steil abfällt. Weit draußen vor der größten Insel der Kanaren vereinen sich Himmel und Meer zu einem grenzenlos tiefen Blau. Wir sind unterwegs zur Mitte der Insel. Hier thront der Pico del Teide, der höchste Berg Spaniens und der höchste Vulkan Europas. Bis tief in den Frühling hinein ist die 3.718 Meter hohe Erhebung schneebedeckt. Im Sommer schimmert die Spitze schwefelig. Seinen Namen verdankt er den Ureinwohnern der Kanaren, die ihn Echeyde nannten. Einer Legende nach hauste im Inneren des Berges ein bösartiger Dämon, dem die Götter einst kurzerhand den Weg nach draußen mit einem Hut aus Zucker verschlossen.

Nur widerwillig gibt der Nebel den mächtigen Gipfel des Teide frei

Wie das Rückgrat eines mächtigen Tieres erstreckt sich das Bergmassiv des Cumbre Dorsal in Längsrichtung über die Insel. Über 42 Kilometer fahren wir über gut ausgebaute Landstraßen erst durch dichte Kiefernforste, hohen Eukalyptus und riesige Kakteenhaine. In 1.200 Meter Höhe können wir mit bloßem Auge die Nachbarinsel Gomera erkennen, später auf der anderen Seite Gran Canaria. Hinter der nächsten Kurve nimmt uns plötzlich dichter Neben die Sicht. Fast widerwillig gibt er wenig später den mächtigen Gipfel des Teide frei. Endlich haben wir das dichte Wolkenmeer durchstoßen, das uns jetzt friedlich und wie aus dicker Watte zu Füßen liegt. Hinter jeder neuen Kurve kommt der Pico del Tide uns jetzt ein Stück näher. Säumten unseren Weg eben noch grüne Wälder mit dicken hohen Stämmen, sind wir jetzt in einer fast pflanzenlosen Hochebene angelangt.

In 2.400 Metern Höhe ist eine der bedeutendsten Sternwarten der Welt stationiert  

Einige wenige Kilometer vor der Einfahrt in den Nationalpark del Teide passieren wir Izaña und die schneeweißen Türme des gleichnamigen Observatoriums. Mit der europäischen Südsternwarte in Chile und dem Mauna-Kea-Observatorium auf Hawai gehört es zu den bedeutendsten Sternwarten der Welt.  Es liegt 2.400 Meter hoch und eigentlich in einem Sperrgebiet. Nach vorheriger Ankündigung ist aber ein Besuch – allerdings nur in einer  Gruppe – möglich. „Unser Standort ist sehr, sehr ruhig hier, es irritiert kein Licht und es gibt nur ganz wenig Staub in der Atmosphäre“, erläutert uns der junge Wissenschafter Miguel die Vorzüge der Insel. Im Schnitt hat man etwa 80 Prozent des Jahres freie Sicht ins Weltall. Ideale Bedingungen, um den Himmel und insbesondere die Sonne zu beobachten. Miguel lässt uns gleich durch eines der imposanten Teleskope schauen. Es zeigt in eindrucksvoller Vergrößerung die Sonne, wie wir sie natürlich nie mit unseren eigenen Augen sehen können. Sonnenflecken und gewaltige Eruptionen der Sonnenmaterie scheinen hier wie zum Greifen nahe. Erst im letzten Jahr wurde das Sonnenteleskop Gregor in Betrieb genommen. Gregor kann Objekte ab 70 Kilometer Durchmesser auf der Sonne erkennen. „Da kann uns da oben fast nichts mehr entgehen“, schmunzelt Miguel und winkt freundlich zum Abschied.

Geröllhalden und erstarrte Magmaflüsse als stumme Zeugen vulkanischer Aktivitäten  

Sechs Kilometer entfernt erwartet uns der größte Nationalpark seiner Art auf den Kanaren. Hier war vor sieben Millionen Jahren die Geburtsstätte von Teneriffa, als sich die Insel nach einem Vulkanausbruch aus dem Meer hob. Vor „gerade mal“ 500.000 Jahren faltete sich dann bei einem weiteren Ausbruch der Pico del Teide auf. Ein letztes Mal tobte der Vulkan 1909, seit dem ist Ruhe. Stumme Zeugen aller vulkanischen Aktivitäten sind endlose Geröllhalden, weite Schlackefelder und schwarz glänzende erstarrte Magmaflüsse. Es sieht hier aus wie auf dem Mond und wir können uns gut vorstellen, dass hier Filme wie „Planet der Affen“ oder „Krieg der Sterne“ gedreht wurden. Wie weit weg sind wir hier doch von den Sandstränden der Insel, an denen sich die Badegäste aalen. Ein kalter Hauch des Pico del Teide noch zum Abschied, dann geht es zurück, bis uns die duftenden Pinienwälder der Insel wieder in Empfang nehmen.

Der Ort-Tipp:
Besuche des Observatoriums sind für Gruppen nach Anmeldung möglich. Um böse Überraschungen am Eingang zu vermeiden, sollte man sich also vorab anmelden.
Tolle Bilder zur Einstimmung eines Besuches im Observatorium und der aktuelle Blick auf das Wetter vor Ort über eine Webcam: 
www.gtc.iac.es

Observatorio del Teide / Izaña
Tel: +34-922-329110
teide@ot.iac.eswww.iac.es

Unterkunft:
Das Hotel Abama in Guía de Isora empfängt uns in einer riesigen Gartenlandschaft mit über 300 Pflanzen-, Baum- und Palmensorten. Es liegt etwas abseits vom Trubel am kleinen Hafenort und thront im maurischen Stil auf einem Felsplateau über dem Meer.

Abama Golf & Spa Resort
Ctra. Gral TF-47, Km 9 • 38687 Guia de Isora, Santa Cruz de Tenerife
rc.tfsrz.leads@ritzcarlton.com • www.abamahotelresort.com
Der Beitrag gefällt Ihnen? Teilen Sie ihn doch mit Ihrem Netzwerk.



Nachfolgend noch eine Werbeanzeige. Wenn etwas interessantes dabei ist, unterstützt ein Klick natürlich, wie bei derartigen Anzeigen üblich, den Blog.

 

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.